Konzertreise nach Paris - 25. bis 28. Mai 2006

So hat  unsere Sopranistin Juliane Hagen

die Zeit in Paris erlebt:

Die Kirche Saint-Sulpice in Paris ist derzeit in aller Munde, denn eine der Schlüsselszenen in Dan Browns berühmtem "Sakrileg" spielt sich eben dort ab: Bei einem nächtlichen Besuch in der Kirche sucht der Opus Dei-Mönch Silas den Schlussstein der Prioré de Sion unter der Rosenlinie vor dem Obelisken. Beobachtet wird er dabei von einer einzigen Nonne, die dafür leider ihr Leben lassen muss.

Im Wonnemonat Mai, an einem strahlenden Samstag, waren wir in Saint-Sulpice und dürfen behaupten, wesentlich mehr Beobachter gehabt zu haben - über 1.200. Diese wurden jedoch für ihr Kommen nicht etwa bestraft, sondern mit einem Konzert belohnt, bei dem allein die Logistik eine Meisterleistung war.

Der Deutsch-Französische Chor Paris feierte sein 35-jähriges Jubiläum, zudem wurde Bernard Lallement, der Gründer des Verbandes der Deutsch-Französischen Chöre und Chorleiter in Paris, in diesem Jahr 70 Jahre alt. Somit gab es zwei gute Gründe, alle Deutsch-Französischen Chöre nach Paris einzuladen.

Insgesamt 390 Chorsänger aus 15 Chören sind der Einladung gefolgt, wobei Köln mit rund 30 Leuten vertreten war. Die meisten von uns haben die lange Reise per Bus zusammen mit dem Bonner Chor angetreten. Noch vor Sonnenaufgang am Himmelfahrtstag ging es los in Richtung Seine.

Untergebracht waren die Gäste in der Résidence de l'Ecole Centrale des Beaux Arts in Châtenay-Malabris, einem Vorort südlich von Paris. Mit dem Regionalzug RER war die Anbindung ans Stadtzentrum jedoch recht problemlos. Die Résidence, eigentlich ein Wohnheimkomplex für Studenten, war von den Gastgebern gut ausgewählt worden, bot sie doch den Vorteil, Unterkunft, Speisesäle und Probenräume auf engstem Raum zu vereinen.

Das Konzert war so organisiert, dass nach einem ersten Block von Stücken, die alle gemeinsam sangen, jeweils 2 oder 3 Chöre ein längeres Stück aufführten. Schön war, dass den meisten Chorleitern die Möglichkeit gegeben wurde, zumindest ein Stück des Konzertes zu dirigieren. Im Mittelpunkt stand natürlich als Jubilar der Pariser Chor, der tatsächlich alle Stücke des anspruchsvollen Programms mitsang - für diese Leistung gebührt den Gastgebern ordentlich Respekt.

Nach einem stärkenden Mittagessen begann dann auch gleich die erste Probe. Geprobt wurde insgesamt viermal - am Donnerstag, zweimal am Freitag, wobei die Abendprobe die Generalprobe in Saint-Sulpice war, und einmal am Samstagvormittag.
 Die Probenarbeit war gut organisiert, so dass alle Chöre möglichst wenig Leerlauf hatten.

Trotz aller ernsthaften Arbeit kam jedoch auch das Vergnügen nicht zu kurz: so wurde am Donnerstagabend nach der Probe zünftig zusammen gefeiert. Jeder Chor hatte eine kulinarische Spezialität aus der Heimatregion sowie einige Lieder mitgebracht. So wurde bis tief in die Nacht hinein gesungen und genossen. Besonders gefreut haben wir uns über das Wiedersehen mit unseren Freunden aus Toulouse, die uns letzten Herbst für ein gemeinsames Konzert besucht haben und zu denen wir in einigen Monaten zum Gegenbesuch fahren werden.

Am Samstagabend war es dann soweit. Gut ausgeruht nach einer mehrstündigen Pause, die wir bei herrlichstem Wetter genießen konnten, versammelten wir uns alle im Altarraum von Saint-Sulpice. 390 Choristen sind eine ganze Menge Leute, wie viele, das kann man sich erst richtig vorstellen, wenn man sie alle auf einer Bühne sieht. Aber das große Chaos blieb dank der guten Organisation dennoch aus.

Die Aufstellung auf der Bühne glich einer Schlachtordnung aus der römischen Antike (vielleicht einer der Vorteile, wenn man mit Asterix groß wird?!). Unterschiedliche farbige Quadrate und Rechtecke auf einem Blatt Papier kennzeichneten genau, welcher Chor wo zu stehen hatte. Sopran X aus Chor Y hatte also einen fest zugewiesenen Platz. Dies war nötig, um den Auf- und Abgang der verschiedenen Chöre zwischen den Stücken so reibungslos wie möglich zu gestalten. Chöre, die gerade nicht zu singen hatten, hielten sich hinter der Bühne in dem großen Altarraum auf und wurden, sobald ihr Auftritt heranrückte, wortlos mit einem großen Schild wie "Toulouse-Köln-Aurillac" herangerufen.

 

Insgesamt dauerte das Konzert gute drei Stunden, aber das Publikum blieb dankbar und aufmerksam bis zum Schluss. Bei dem gebotenen Programm war dies jedoch nicht überraschend: neben echten Klassikern wie dem Ave Verum Corpus von Mozart oder dem Abendlied von Rheinberger im Block der gemeinsamen Stücke wurden dann von den kleineren Gruppen unter anderem das "Münchener" Kyrie von Mozart, das Te Deum von Salieri und der 42. Psalm von Mendelssohn geboten. Wir Kölner hatten uns für das Stabat Mater von Rheinberger entschieden, welches wir mit den Chören aus Toulouse und Aurillac aufführten.

Erwähnt werden sollen an dieser Stelle auch das Orchester "Alphonse Daudet" unter Leitung von Francois Feuillette sowie der Organist Xavier Lebrun. Beide trugen durch ihre Leistung und vor allem die hohe Flexibilität angesichts so vieler verschiedenerer Chöre und Dirigenten ebenfalls erheblich zum Erfolg des Konzerts bei.

Als dann kurz vor Mitternacht schließlich die letzten Töne des imposanten Finales des Te Deum von Bizet verklungen waren, zu dem noch einmal alle Chöre aufgetreten waren, waren wir erschöpft, aber glücklich. Die begeisterten Gesichter der Zuhörer und der anderen Choristen spiegelten unsere eigenen Gefühle wider: welch ein Erlebnis, bei diesem Konzert dabei gewesen zu sein!

Wir danken herzlich Bernhard Lallement und allen Pariser Gastgebern für den herzlichen Empfang, die hervorragende Organisation und die einmalige Gelegenheit, in dieser wunderbaren Kirche zu singen. Auf den nächsten runden Geburtstag freuen wir uns schon jetzt...